Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb

Ausstellung in der "Fähre" zum 50. Todestag von Fritz Winter

Zum 50. Todestag von Fritz Winter widmet die Städtische Galerie „Fähre“ in Zusammenarbeit mit der Stiftung Domnick und dem Fritz-Winter-Haus in Ahlen dem Maler und Wegbereiter der Abstraktion eine Ausstellung. Rund 30 Werke machen Winters originäre künstlerische Entwicklung von den späten 1920er Jahren bis zur Mitte der 1950er Jahre nachvollziehbar. Mit der Präsentation von Werken der Malerin Isa Dahl und der konkreten Künstlerin Eva Hocke wirft die Ausstellung einen Blick in die Gegenwart weiblicher Positionen. Beide Künstlerinnen performen die Abstraktion und den Umgang mit Farbe auf bemerkenswerte und sehr gegensätzliche Weise. Im poetischen Titel „Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb - Abstrakte Werke von Fritz Winter und den zeitgenössischen Künstlerinnen Isa Dahl.Eva Hocke“ finden die Arbeiten aus verschiedensten Entstehungszeiten zusammen. 

20.10.2026 – 24.01.2027
Eröffnung: 18.10.2026, 11 Uhr

Anführungszeichen zu Beginn des Zitats
Ich freue mich sehr, dass wir nach 1957, als die „Fähre“ erstmals Werke von Fritz Winter in Oberschwaben zeigen konnte, wir heute einen neuen Blick auf sein wegweisendes Werk werfen dürfen – in einem für manche vielleicht unerwarteten Zwiegespräch mit weiblichen Positionen der Gegenwart.
Alexandra Karabelas, Leiterin der Städtischen Galerie "Fähre"

Vernissage am 18.10.2026

Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb.

Abstrakte Werke von Fritz Winter und zeitgenössischen Künstlerinnen - Isa Dahl.Eva Hocke

Denn im spannenden Generationensprung führen die Malerin und Trägerin des Oberschwäbischen Kunstpreises Isa Dahl (*1965) und die konkrete Künstlerin Eva Hocke (*1966) vor, wie „Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb“ und andere Farben in Strömen, Anordnungen und zum Teil anderen Medien zu völlig neuen Seherlebnissen führen. Während bei Isa Dahl die Bewegung, der Raum und die Unendlichkeit in oft großformatigen Arbeiten im Zentrum stehen und Gefühle von Weite und Verschmelzung auslösen, präsentiert Eva Hocke ein vielseitiges Konvolut konkreter Wandarbeiten von ihren Anfängen bis heute, die durch Ironie und Ereignishaftigkeit überraschen. Auf eigensinnige Weise bespielen beide Künstlerinnen die unendliche Form des Kreises. Dr. Uwe Degreif: „Die Werke von Isa Dahl und Eva Hocke machen anschaulich, wie die Entwicklung der Abstraktion weitergegangen ist: einerseits über die Linie und das Gestische, andererseits über die Fläche und das Konstruktive. Naturbezüge finden sich weiterhin, ebenso ist Licht ein wesentlicher Faktor. Mit ihm hängt die Leuchtkraft von Farben zusammen und das Geschlossene von Flächen“.

Isa Dahl

zur Künstlerin

Isa Dahl, 1965 in Ravensburg geboren, studierte ab 1984 in Stuttgart und Düsseldorf, wo sie 1991 Meisterschülerin von Professor Dieter Krieg wurde. Gefördert durch zahlreiche Stipendien – darunter 1995 der Villa Romana-Preis in Florenz – etablierte sie sich rasch in der deutschen Kunstszene. 1994 gründete sie die Künstlergruppe maximal und arbeitet seit 1999 eng mit Daniel Wagenblast zusammen, mit dem sie unter anderem das ISS-Weltraumprojekt Weltenfahrer realisierte. Seit 2006 ist sie geschäftsführendes Mitglied des Künstlerbunds Baden-Württemberg. Für ihr Schaffen wurde sie unter anderem 2023 mit dem Oberschwäbischen Kunstpreis und 2024 mit dem Publikumspreis des Südwestdeutschen Kunstpreises geehrt. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart.
 

Anführungszeichen zu Beginn des Zitats
Ein Bild zu malen, ist immer ein Wagnis. Wenn es gelingt, wird es zum ,Freiraum`.
Isa Dahl

Eva Hocke

Zur Künstlerin

Eva Hocke, 1966 in Kassel geboren, absolvierte eine Lehre als Schilder- und Lichtreklameherstellerin, später folgte ein Grafikstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Für ihr Diplomprojekt „Helikopter“ wurde sie vom Art Directors Club Deutschland ausgezeichnet. Nach der ersten Station beim FAZ-Magazin in Frankfurt, entschied sie sich ihren Lebens- und Arbeitsort nach Bad Saulgau zu verlagern, dem Ausgangspunkt ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Gestalterin für Museen, Galerien und Unternehmen. Von 2014–2023 war sie Mitherausgeberin des „Mauerläufer“ – Jahresheft für Literatur und Kunst, das 2016 auf die Longlist der „schönsten deutschen bücher“ kam. Nach vielen Jahren der zurückgezogenen Kunstproduktion zeigt sie erstmals ein großes Konvolut ihrer Werke im musealen Raum einer Städtischen Galerie.

Zum 50. Todestag von Fritz Winter (1905 - 1976)

Das Ereignis der Abstraktion

1946 und 1947 gelten als Schlüsseljahre der modernen Kunst. Indem sie den Realismus und die Gegenständlichkeit hinter sich ließen, suchten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler nach einem neuen, universellen Ausdruck und entfesselten das große Ereignis der Abstraktion. Zu den führenden Köpfen dieser Bewegung zählte Fritz Winter (1905–1976). Bereits in den 1930er Jahren löste er sich vom Abbild und wandte sich einer ‚biomorphen‘ Ungegenständlichkeit zu. In seinen Werken scheinen Elemente von Erde, Wasser oder Pflanzen auf und insbesondere von Licht. Naturgesetzlichkeiten wie Fallen und Wachsen werden anschaulich. Zunächst aus der strengeren Dessauer Bauhaus-Tradition (1925–1932) kommend, entwickelte Winter nach 1945 eine freiere Malweise. Seine Arbeiten behielten dabei stets eine tiefe, an Naturstrukturen erinnernde innere Architektur – mit Spuren: Winter war 1939 als Soldat eingezogen worden und durchlebte ab 1945 vier Jahre lang Kriegsgefangenschaft. Auf der ersten documenta in Kassel im Jahr 1955 wurden seine Werke zu einem eindrücklichen Beleg dafür, dass die bundesrepublikanische Kunst wieder den Anschluss an das internationale Geschehen gefunden hatte. 

Begleitprogramm zur Ausstellung

20.10.2026 bis 24.01.2027

Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb.
Abstrakte Werke von Fritz Winter und zeitgenössischen Künstlerinnen – Isa Dahl. Eva Hocke.

Eröffnung:
Sonntag, 18.10.2026, 11.00 Uhr, kostenfrei
Städtischen Galerie “Fähre”


Sonntagsführungen um 15 Uhr

mit Dr. Uwe Degreif am So., 25.10., 22.11.2026, 24.1.2027
mit Christina Ossowski am So., 29.11.2026, 17.1.2027
mit Alexandra Karabelas am So., 15.11., 13.12.2026, 20.12.2026, 27.12.2026
mit Barbara Rössler am So., 1.11., 6.12., 3.1.,10.1.2027

60 min, 4 € zzgl. Eintritt

Freier Sonntagseintritt! 1.11., 6.12.2026, 3.1.2027


see one, do one, teach one

Fr., 23.10.2026, 14.15 Uhr
Kostenlose Ausstellungsführung für Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrer und Kunsterzieher.
75 min


Über Farben, Strümpfe und Kunstwerke: Künstlerinnengespräch mit Isa Dahl und Eva Hocke

So., 8.11.2026, 15 Uhr
Kostenfrei zzgl. Eintritt


Vortrag am Mittwochabend: Muse – Lebensgefährtin - Managerin.
Margarete Schreiber-Rüffer und der Maler Fritz Winter

Von Christina Ossowski, Kunsthistorikerin (Leonberg)
Mi., 4.11.2026, 18 Uhr
90 min, 10 € zzgl. Eintritt


Kunstgespräch für Seniorinnen, Senioren und Jüngere 

Mi, 25.11.2026 & Mi, 13.1.2027, jeweils 14.30 Uhr
Erfahren Sie im anregenden Kunstgespräch bei Kaffee und Marmorkuchen mit Dr. Uwe Degreif mehr über abstrakte Malerei, den Künstler Fritz Winter und die zeitgenössische Kunst von Eva Hocke und Isa Dahl.
90 min, 12 € inkl. Eintritt


Abenteuer Informel! Kunstworkshop mit Barbara Rösler 
Sa., 16.1.2027, 10 Uhr
Tauchen Sie gemeinsam mit Kunstpädagogin Barbara Rösler ein in die Abstraktion und genießen nach einer Meditation mit anschließendem Kunstgespräch die Kreation eines eigenen Werks. 
Ab 10 TN, 36,50 € inkl. Eintritt und Material

Öffnungzeiten & Eintritt

Eintritt
5 € für Erwachsene
4 € für Rentenbeziehende
Fähre-Jahreskarte 20 €

Eintritt frei für Schulpflichtige, Studierende, Auszubildende, Mitglieder des Kunstvereins Bad Saulgau e.V., Inhabende des Bibliotheksausweises, des GästePass Bad Saulgau (Gästekarte) und der AuszeitCard.
Städtische Galerie "Fähre"
Hauptstraße 102/1, 88348 Bad Saulgau
Öffnungszeiten
Di–So, 14–17 Uhr
Karfreitag geschlossen, Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet.
Kostenlose Angebote für Kindergärten und Schulen sowie private Führungen buchbar unter: 07581/207-160 oder per Mail an kultur@bad-saulgau.de

Städtische Galerie "Fähre"

Kunst, die Geschichte erzählt

Mitten in Bad Saulgau erwartet Kunstinteressierte ein besonderer Ort: die Städtische Galerie Fähre. Seit ihrer Gründung im Jahr 1947 steht sie für zeitgenössische und moderne Kunst und ist heute fest in der oberschwäbischen Kulturlandschaft verankert.

Ihre Wurzeln reichen in die Nachkriegszeit zurück. Auf Initiative der französischen Besatzungsmacht entstand die „Fähre“ zunächst als Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs. Aus dem damaligen „Centre d’Information“ entwickelte sich eine vielseitige Kultureinrichtung mit Bibliothek, Vortragsangeboten und Ausstellungsräumen.

Heute ist die Galerie vor allem für ihre bedeutende Sammlung zur Kunst in Oberschwaben seit 1900 sowie für ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm bekannt. Werke zahlreicher renommierter Künstlerinnen und Künstler geben Einblicke in die Entwicklung der regionalen Kunstgeschichte – darunter Jakob Bräckle, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Otto Dix, Wilhelm Geyer, Gottfried Graf, Emil Kiess, Hans Purrmann, Willi Siber und Gerhard Langenfeld.

Schon von außen setzt die „Fähre“ ein künstlerisches Zeichen: An der hohen Außenwand lädt das Werk „Listen to your eyes“ von Maurizio Nannucci dazu ein, die eigene Wahrnehmung neu zu entdecken.

Ob bedeutende Sammlung, wechselnde Ausstellung oder außergewöhnliche Kunst im öffentlichen Raum – die Galerie Fähre macht Bad Saulgau zu einem spannenden Ziel für alle, die Kunst und Kultur erleben möchten.

Ein Kloster bei Dämmerung.